Wohnungspreise Linz: 18 amtliche Werte statt einer Zahl
Für Eigentumswohnungen in Linz gibt es nicht einen Quadratmeterpreis, sondern achtzehn. Zwischen dem niedrigsten und dem höchsten liegen 80 Prozent, und beide sind amtlich. Wer wissen will, wo die eigene Wohnung steht, muss zuerst wissen, welche der achtzehn Zahlen gemeint ist.
„Was kostet der Quadratmeter in Linz?“ ist die häufigste Frage im Erstgespräch und gleichzeitig die, auf die es keine ehrliche Ein-Zahl-Antwort gibt. Die Statistik Austria weist für den Bezirk Linz-Stadt nicht einen Wert aus, sondern neun: dreimal Baujahr mal dreimal Wohnfläche. Und weil eine Wohnung mit Balkon ein anderes Produkt ist als dieselbe Wohnung ohne, gibt es diese neun Werte zweimal.
Die amtliche Tabelle für Linz
| Bis 1960 | 1961–1990 | Ab 1991 | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| unter 66 m² | 66–84 m² | über 84 m² | unter 66 m² | 66–84 m² | über 84 m² | unter 66 m² | 66–84 m² | über 84 m² | |
| ohne Balkon, Terrasse oder Garten | 3.135 | 2.845 | 2.779 | 3.364 | 3.052 | 2.981 | 4.379 | 3.974 | 3.881 |
| mit Balkon, Terrasse oder Garten | 4.078 | 3.700 | 3.614 | 3.665 | 3.326 | 3.248 | 4.990 | 4.528 | 4.422 |
Statistik Austria, Immobilien-Durchschnittspreise, Jahrgänge 2016–2025 (veröffentlicht 28.05.2026). Bearbeitet: Jahrgänge zu Zeitreihen zusammengeführt, Veränderungen daraus berechnet.
Lesehilfe: Eine 75 Quadratmeter große Wohnung aus 1975 mit Balkon steht in der Zeile „mit Balkon, Terrasse oder Garten“, im Block „1961–1990“, in der mittleren Spalte. Bei rund 3.300 Euro je Quadratmeter Wohnfläche wären das für 75 m² etwa 249.000 Euro als statistischer Ausgangswert.
Drei Muster, die man an der Tabelle ablesen kann
Der Balkon ist mehr wert, als man denkt
Beim Altbestand bis 1960 macht eine Außenfläche in Linz rund 30 Prozent Unterschied. Das ist der größte einzelne Hebel in der ganzen Tabelle und der Grund, warum sich nachträglich angebaute Balkone in Linzer Zinshäusern rechnen. Bei Wohnungen ab 1991 ist der Abstand kleiner, weil dort ohnehin fast jede Wohnung eine Freifläche hat. Wer keine hat, fällt aus dem Rahmen und wird entsprechend bewertet.
Kleine Wohnungen kosten je Quadratmeter mehr
Das gilt in jeder Baujahrsklasse und ist keine Linzer Besonderheit: Küche, Bad und Vorraum braucht jede Wohnung, egal wie groß sie ist. Diese Fixflächen verteilen sich bei 55 m² auf weniger Quadratmeter als bei 95 m². Dazu kommt die Nachfrage: Ein- und Zweipersonenhaushalte sind der größte und liquideste Teil des Linzer Wohnungsmarktes.
Für Verkäufer heißt das: Eine große Wohnung bringt insgesamt mehr Geld, aber je Quadratmeter weniger. Wer den Quadratmeterpreis der Nachbarwohnung als Maßstab nimmt, obwohl die 30 m² kleiner ist, rechnet sich zu reich.
Das Baujahr schlägt nicht linear durch
Man würde erwarten: je älter, desto billiger. Die Tabelle zeigt etwas Interessanteres, nämlich einen Vorzeichenwechsel.
Ohne Außenfläche liegt der Altbestand bis 1960 unter der Bauperiode 1961 bis 1990, so weit die Erwartung. Mit Außenfläche dreht sich das um: Dann steht der Altbau über der Nachkriegsperiode. Eine Altbauwohnung mit Balkon oder Innenhofterrasse ist in Linz das gesuchtere Objekt, eine Altbauwohnung im dritten Stock ohne Freifläche und ohne Lift das schwierigere.
Wer schon einmal eine Altbauwohnung in Urfahr oder rund um die Innere Stadt hergerichtet hat, kennt den Grund: Raumhöhe, Grundriss und Lage schlagen das Baujahr, sobald die Wohnung einen Sitzplatz im Freien hat. Die Bauperiode 1961 bis 1990 ist dagegen die undankbarste im Linzer Bestand: kleine Fenster, niedrige Räume, oft noch der Erstbestand bei Fenstern und Steigleitungen.
Was die Tabelle nicht weiß
Die amtlichen Werte kommen aus den Kaufverträgen und kennen nur drei Merkmale: Bezirk, Baujahr, Wohnfläche und ob es eine Außenfläche gibt. Über den Preis Ihrer Wohnung entscheidet aber noch einiges mehr:
- Das Stockwerk und ob es einen Lift gibt. Vierter Stock ohne Lift ist in Linz ein echter Preisfaktor, nach unten.
- Die Ausrichtung und der Lärm. Ob die Fenster zur Straße oder in den Innenhof gehen, macht in dicht bebauten Lagen leicht 15 Prozent.
- Der Zustand. Nicht die Anschaffungskosten der Einrichtung zählen, sondern die Wirkung beim Betreten. Eine 20 Jahre alte Tischlerküche bringt fast nichts mehr, frisch ausgemalt und ein sauberer Bodenbelag wirken überproportional.
- Die Rücklage und der Sanierungsstand des Hauses. Käufer lassen sich eine anstehende Fassaden- oder Liftsanierung vom Preis abziehen, und zwar meist großzügiger, als sie tatsächlich kostet.
- Die Heizung. Gasetagenheizungen sind seit den Diskussionen um das Heizungsverbot ein Verhandlungsthema, auch wenn kein Austauschzwang besteht.
- Rechtliche Bindungen. Eine ehemalige Genossenschaftswohnung kann eine Nachzahlungsklausel gegenüber der Bauvereinigung tragen. Das ist kein Randthema: In der Praxis geht es dabei um fünfstellige Beträge, und die Frist läuft ab dem Kauf von der Genossenschaft. Vor dem Verkauf gehört der alte Kaufvertrag gelesen.
Linz im Vergleich mit dem Umland
Die Bezirke Linz-Land und Urfahr-Umgebung liegen bei Eigentumswohnungen näher an Linz, als es die Grundstückspreise vermuten lassen. Der Grund ist einfach: Eine Neubauwohnung in Leonding oder Gallneukirchen konkurriert direkt mit einer Neubauwohnung in Linz, während ein Baugrundstück in Linz überhaupt keinen Wettbewerber im Umland hat. Wer ins Umland ausweicht, kauft ein anderes Produkt.
Häufige Fragen
Ist der Quadratmeterpreis auf die Wohnfläche oder die Nutzfläche bezogen?
Auf die Wohnfläche. Das ist wichtig, weil im Wohnungseigentum sonst gerne die Nutzfläche laut Nutzwertgutachten herangezogen wird, und die kann abweichen, je nachdem, wie Loggien, Keller und Abstellräume behandelt werden. Wenn Sie Preise vergleichen, vergleichen Sie zuerst die Flächendefinition.
Zählt der Balkon zur Wohnfläche?
Für diese Statistik nicht: Die Werte sind Euro je Quadratmeter Wohnfläche, und die Außenfläche ist der Grund für die zweite Tabelle, nicht Teil der Fläche. In Kaufverträgen und Inseraten wird das unterschiedlich gehandhabt, oft mit einem Anteil von einem Drittel bis der Hälfte. Auch hier gilt: zuerst klären, was gemeint ist.
Warum weichen die Preise auf Immobilienportalen ab?
Portale zeigen Angebotspreise, die Statistik Austria wertet abgeschlossene Kaufverträge aus. Dazwischen liegt die Verhandlung. Außerdem bilden Portale ab, was gerade inseriert ist. In einer Phase mit vielen Neubauprojekten sieht der Durchschnitt anders aus als der Bestand.
Wie alt sind diese Zahlen?
Es ist der Jahrgang 2025, veröffentlicht am 28. Mai 2026. In den Wert fließen die Kaufverträge der Jahre 2021 bis 2025 ein, ältere Verträge auf das Niveau 2025 hochgerechnet.
Was ist meine Wohnung wert?
Der amtliche Wert ist der Ausgangspunkt, danach kommen Stockwerk, Zustand, Ausrichtung, Rücklage und der Zeitpunkt dazu. Wir sehen uns die Wohnung an und melden uns binnen 24 Stunden werktags mit einer Einschätzung, kostenlos und ohne Verpflichtung.